BW-Klinikärzte: Beatmungsgeräte als Notfallreserve waren Fehlbeschaffung

Hat Sozialminister Lucha (Grüne) eine Notfallreserve angelegt, die niemandem nützt? Klinikärzte und politische Gegner kritisieren die Beatmungsgeräte als veraltet und unsinnig.

Quelle: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/klinikaerzte-kritisieren-teure-anschaffung-von-beatmungsgeraeten-100.html

Hat Sozialminister Lucha (Grüne) eine Notfallreserve angelegt, die niemandem nützt? Klinikärzte und politische Gegner kritisieren die Beatmungsgeräte als veraltet und unsinnig.

Wird eine Notfallreserve kaum angerührt, kann das Zweierlei bedeuten. Entweder ist die Situation entspannt - was angesichts der Appelle aus den Kliniken im Land ausgeschlossen werden kann - oder: Was man für den Notfall angeschafft hat, wurde getestet und für zu leicht befunden.

Für Letzteres sprechen zumindest die Aussagen von mehrere Kliniknärzte aus Baden-Württemberg in "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten". Kaum eines der 1.000 Beatmungsgeräte, die das Sozialministerium unter Führung Manfred Luchas (Grüne) als Notfallreserve aus China angeschafft hat, sei in den 121 Kliniken im Land eingesetzt worden, weil die Technik schlicht nicht dem neuesten Stand entspreche, so die Recherche. Trotzdem haben die Geräte Geld gekostet, 53 Millionen Euro, um genau zu sein.

SPD-Fraktionschef spricht von "Beatmungsgeräte-Gau"
In den Augen der Klinikärzte im Land war das wohl eine Fehlanschaffung: "Wir werden sie nie benützen, aber sie kosten weiterhin Geld, weil sie gewartet werden müssen", sagte Helene Häberle, Leitende Oberärztin an der Tübinger Universitätsklinik der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

Der Ärztliche Direktor der Kreiskliniken Reutlingen, Friedrich Pühringer, sprach von "unsinnigen Geräten". Da sei Geld aus dem Fenster geschmissen worden. SPD-Partei- und Fraktionschef Andreas Stoch nannte es einen "Beatmungsgeräte-Gau" von Sozialminister Manfred Lucha (Grüne).

Luchas Ministerium weist die Vorwürfe zurück
Dessen Ministerium wies die Vorwürfe zurück, eine Sprecherin nannte sie gegenüber der Deutschen Presseagentur "makaber". Auf einem "zusammengebrochenen Markt" habe man zu Beginn der Pandemie "Hilfsgüter beschafft, um Leben retten". Auf dem deutschen Markt seien damals keine "deutschen invasiven Beatmungsgeräte verfügbar gewesen".

"Wir möchten gerne wissen, was los gewesen wäre, wenn wir nicht genügend Beatmungsgeräte zur Verfügung gehabt hätten."

Eine Sprecherin des Sozialministeriums gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Es sei absurd, dem Land mitten in der vierten Corona-Welle vorzuhalten, eine Notfallreserve angelegt zu haben. In einer Pandemie müssen man für den schlimmsten Fall gewappnet sein. Dazu stehe man im Sozialministerium.

Außerdem: Einzelne Geräte seien in Krankenhäusern in Baden-Württemberg zum Einsatz gekommen. "Wir können deshalb nicht nachvollziehen, wie es zu der Einschätzung kommt, die Geräte seien unbrauchbar", sagte die Ministeriumssprecherin. Niemand wisse, wie sich die Pandemie noch weiter entwickeln werde. "Wir sind deshalb sehr froh, dass wir die Geräte haben und im Notfall einsetzen können."